In meiner Nachbarschaft gibt es eine Menge Kinder, aber es gibt einen kleinen Jungen, der mir schon seit Langem immer wieder auffällt. Ich schätze ihn so auf 5 Jahre und er hat einfach den hässlichsten Irokesenschnitt, den ich bei einem Kind je gesehen habe (sorry, falls seine Eltern das hier lesen. Aber das wächst ja hoffentlich wieder…).

Kennst du diese Momente, in denen Kinder völlig selbstverständlich dafür sorgen, dass gewisse Informationen für alle Anderen im Umkreis von 20 Metern hörbar werden? Ich liebe es, wenn ich in diesen Momenten dabei sein darf. Immer wenn ich den Jungen sehe –  seine Mutter nennt ihn Philip– weiß ich: Ohren auf! Gleich wirds spannend!

Die erste Situation, in der er mir aufgefallen ist, spielt im Netto eine Straße weiter. Er und seine Mutter waren gerade an der Kasse, als er seine Mutter völlig entgeistert anschaute und sie, den Tränen nahe, fragte, warum sie der Kassiererin soviel Geld gibt. „Das gehört doch uns!“

Ein anderes Mal, vor einem großen Einkaufszentrum in der Nähe, packten seine Eltern gerade die Einkaufstüten ins Auto, als er mit tappsigen Schritten unbekümmert zu einem auf dem Boden schlafenden Obdachlosen rannte, über die Wodkaflaschen balancierte, die vor ihm auf dem Boden lagen, dem Mann an die Nase fasste und sagte „Schau mal Mama, der hat ne rote Nase wie ein Clown! Aber die kann man gar nicht abmachen…“

Am lehrreichsten finde ich es aber immer wieder, wenn Kinder überhaupt nicht verstehen, warum ihr Wille nicht einfach bedingungslos erfüllt wird. Auch Philip hat mich da nicht enttäuscht, das war gerade gestern. Frisch aus dem Netto gekommen, hat er seiner Mutter bestimmt, aber noch freundlich, zu verstehen gegeben, dass er das Eis, was sie für ihn gekauft hatte, JETZT gern essen möchte. Als sie ihm genauso bestimmt entgegnete, dass er das Eis erst bekommt, wenn sie über die Ampel gegangen sind, war es für Philip vorbei. Er ließ sich rückwärts auf den Boden sinken und seine großen, niedlichen Augen, mit denen er jedes Youtube-Katzenbaby ausstechen würde, verwandelten sich binnen einer Sekunde zu einem Wasserfall in einem Ausmaß, als würde er die biblische Apokalypse einläuten. „Ich *schnüff* will aber mein Eis jeeehehehehetzt *schnüff*…“

Was wir von Philip lernen können

Diese Situationen hatten für mich einen höheren Wert als nur reine Belustigung. Denn das Faszinierende war immer wieder: Die Gefühlsausbrüche und Handlungsimpulse waren immer stark, roh, echt. Aber sie waren auch nur von kurzer Dauer.

Er war traurig, also war er traurig. Er war neugierig, was es mit der roten Nase auf sich hat, also hat er sich diese Nase einmal genauer angeschaut. Er war verwundert, also war er verwundert.

Und danach? Ja, danach hat er seine Aufmerksamkeit etwas Neuem gewidmet. Ein Handlungsimpuls folgte dem nächsten und von keinem ließ er länger in Beschlag nehmen, als nötig. Das ist übrigens kein „ADHS“. Das ist ein Kind. Ein glückliches Kind.

Wir alle waren einmal jung, sorglos und glücklich. Für manche war diese Zeit aufgrund ihrer Lebensumstände etwas kürzer als für Andere, aber wir alle kennen diesen Zustand, auch wenn wir uns nur noch schwer daran erinnern können.

Gehörst du auch zu den vielen Menschen, die heute auf der Suche sind? Die wissen wollen, was sie an ihrem Leben ändern müssen, damit sie glücklicher sind? Willst du auch erfolgreicher, entspannter, selbstbewusster, … werden, weil du hoffst, deine Lebensqualität damit zu verbessern? Es gibt daran einen Haken: Dinge wie Glück, Selbstbewusstsein oder Erfolg können nicht „trainiert“ werden. Sie kommen automatisch, sie „passieren“ einfach, wenn du echt lebst. Und niemand lebt so echt wie Kinder.

Wenn du dein Leben gerne anders als jetzt leben möchtest, dann hast du sicher Vorbilder. Menschen, die du vor deinem Inneren Auge siehst, wenn du dir vorstellst, wie du und dein Leben einmal sein sollen. Mein Vorbild ist Philip. Was macht er anders? Warum braucht er nur zwei Sekunden, um nach tiefer Trauer oder rasender Wut wieder glücklich und ausgelassen zu sein, während sich die meisten von uns stattdessen Stunden, Tage oder manchmal Jahre mit solchen Gefühlen belasten? Mein Tipp: Lebe wieder wie ein Kind! Was ich damit meine, will ich dir in den folgenden 3 Punkten erklären.

Was Kinder besser machen, als wir

Kinder sind ehrlich

Sie glauben nicht daran, dass sie jemand anderes nicht mehr mögen könnte, wenn sie ihm einfach das sagen, was sie von ihm halten. Beziehungsweise ist es ihnen oft einfach egal (klammern wir die Eltern einfach mal aus). „Wenn du nicht mehr mein Freund sein willst, dann suche ich mir eben einen anderen!“

Wie oft hältst du deine Wahrheit zurück, weil du Angst vor den Konsequenzen hast? Zu dem Thema habe ich übrigens schonmal geschrieben.

Kinder stehen zu ihren Gefühlen

Ein Kind, das sich im Supermarkt heulend auf den Boden wirft, weil es seinen Lolli nicht bekommt, zeigt keine schlechte Erziehung. Es zeigt ein Kind. Es fühlt sich wütend, traurig und ist verwirrt, weil es nicht das bekommt, was es möchte und es zeigt, dass es wütend, traurig und verwirrt ist. Es steht zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen. Ich sage jetzt nicht, dass du dich heulend vor deine Freundin schmeißen sollst, wenn sie keinen Sex will oder deinem Chef an die Gurgel gehen darfst, wenn er deinen Gehaltsforderungen nicht nachkommt. Ich will nicht sagen, dass du dein Wissen, wie man sich fair und respektvoll gegenüber anderen Menschen verhält, nicht mehr anwenden darfst.

Aber wie oft schluckst du deine Gefühle herunter, weil du glaubst, dass man dich dann nicht mehr mag oder ernst nimmt? Wir können ein Gefühl nicht mehr ändern, wenn es einmal da ist. Wir können aber verhindern, dass es uns weiterhin belastet, indem wir es einfach zum Ausdruck bringen. Ja, es geht dabei um DICH! Das Gefühl belastet DICH, wenn du es nicht ehrlich annimmst. „Es verletzt mich, wenn du sowas sagst…“, „Ich bin gerade echt wütend, weil du das gemacht hast!“ oder „Ja, ich habe verdammte Angst davor, dass du mich verlässt, wenn du diese Person so oft siehst!“ sind keine Zeichen von Schwäche oder fehlender Selbstkontrolle. Sie sind ein Zeichen, dass man dir vertrauen kann, weil du dich nicht verstellst und sie stärken dein Selbstbewusstsein, weil du den Mut hast, das auszudrücken, was du wirklich bist.

Kinder sind neugierig

Wann hast du das letzte Mal etwas Neues probiert? Einen fremden Menschen angesprochen, Sex an verbotenen Orten gehabt oder ein unangehmes Gespräch geführt, von dem du nicht weißt, wie es ausgehen wird? Das gilt auch im Kleinen: nicht immer nur dasselbe Essen essen, mal einen neuen Sport ausprobieren oder vielleicht einfach nur eine andere Frisur?

Wir tendieren dazu, uns in Worst-Case-Szenarien zu verlieren. „Es könnte dieses oder jenes passieren, der oder die könnte mich nicht mehr mögen und es wird einfach nur peinlich und demütigend!“ 90% der Ängste, die wir in Bezug auf ungewohnte Situationen haben, sind vollkommen unbegründet. Erlaube deiner Angst, da zu sein, aber lass nicht zu, dass sie dein Leben bestimmt. Erlaube deinen inneren Impulsen, dir die Richtung vorzugeben.

 

Kinder sind die besseren Menschen.

Ja klar, lernen wir im Laufe unseres Lebens dazu, aber warum so ernst? Kinder verstellen sich nicht. Sie stellen Fragen, stehen offen zu ihren Gefühlen und Bedürfnissen und tun einfach, worauf sie Lust haben. Kein Erfolgstrainer kann dir mehr über ein Leben zeigen, in dem du deine Ziele erreichst und glücklich wirst. Nur die Menschen, die ihre eigene Identität schon lange vergraben haben, sagen dir etwas anderes. Wem willst du glauben? Sich zu verstellen, kostet Kraft und Konzentration, die du wieder zur freien Verfügung für einen besseren Zweck hast, wenn du endlich damit aufhörst.

Ich gehe jetzt schaukeln.

Alles Liebe,

Arne

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