Wir leben gerade in einer Zeit, in der es an jeder Kreuzung ein Fitnessstudio gibt und die Werbung voll mit Produkten ist, die körperliche Krankheitszustände behandeln oder deinen Körper noch schöner, noch stärker machen sollen. Gleichzeitig wird der Gang zum Psychotherapeuten nur als letztes Mittel betrachtet, bevor man „völlig durchdreht“ und Psychologen werden nicht als „richtige Ärzte“ betrachtet. Ist das berechtigt?

Wer, wenn er deprimiert war oder Angst hatte, hat noch nicht den Satz gehört: „Ach komm, nimms nicht so schwer. Das ist alles nur in deinem Kopf!“?

Ich für meinen Teil habe aber noch nie gehört, dass jemand zu einem Unfallopfer mit Beinbruch gesagt hat: „Ach komm, nimms nicht so schwer. Das ist alles nur in deinem Bein!“ ?

Ich denke, du erkennst das Ungleichgewicht. Wir legen so großen Wert darauf, dass unser Körper nach außen erstrahlt und uns das Leben nicht schwerer macht. Warum tun wir dasselbe nicht für unsere Seele? Warum nehmen wir uns so wenig Zeit für den heilenden Umgang mit unseren Gefühlen? Warum geben wir den körperlichen Symptomen mehr Bedeutung, als den seelischen?

Weil sie eine größere Belastung für dein Leben darstellen?

Wirklich?

Lass mich dir dazu aus meiner Vergangenheit erzählen.

Ich war damals gerade erst kurze Zeit mit einer Frau zusammen. Ihr Geburtstag stand kurz bevor und ich wollte sie an dem Wochenende natürlich unbedingt sehen. Das Geschenk hatte ich schon Wochen vorher besorgt. Also schreibe ich ihr unter der Woche eine Nachricht, in der ich sie frage, wann wir uns das Wochenende sehen können.

Ein Tag vergeht. Keine Antwort.

„Hm, warum meldet sie sich nicht? Hat sie vielleicht viel Uni-Stress?“

Zwei Tage vergehen. Keine Antwort.

„Was ist los… ? Will sie mich zu ihrem Geburtstag nicht sehen?“

Drei Tage vergehen. Freitag. Immer noch keine Antwort.

„Was soll das? Wenn sie mich nicht sehen will, dann sollte sie mir das auch sagen! Jetzt warte ich hier wie ein Idiot. Mag sie mich vielleicht nicht mehr? Hat sie, jetzt wo sie mich ’sicher‘ hat, kein Interesse mehr an mir….?“

Ein Tag vor ihrem Geburtstag. Keine Antwort.

„Ganz klar, sie mag mich nicht mehr. Warum spielt sie so mit mir? Kann sie mir nicht einfach mal offen und ehrlich sagen, was los ist? Sie hat mit Sicherheit genügend Alternativen, so scharf wie sie ist. Wahrscheinlich ist sie gerade unterwegs, hat Spaß und flirtet, was das Zeug hält! Du willst spielen?? Bitte! Dann mach deinen Scheiß alleine. Ich brauche dich nicht!“

Ich habe danach nicht auf ihre Nachrichten geantwortet und mich erst eine Woche nach ihrem Geburtstag bei ihr gemeldet. Willst du wissen, was der Grund für ihr Nicht-Antworten war?

Sie hat die Nachricht nicht bekommen. Es war ein kleiner, blöder, technischer Fehler und er lag allein in meiner Verantwortung.

Während sie sich gefragt hat, wann ich mich denn wegen ihres Geburtstages melden würde, bin ich in einem Strudel aus Selbstmitleid, Schuldzuweisung und Theorien über meine eigene fehlende Attraktivität versunken. Es ging mir mies.

Während ich mehr und mehr Hass auf sie geschoben habe, hat sie sich gefragt, warum ich ihr nicht schreibe. Ob sie mir nicht wichtig genug wäre. Was sie schon wieder falsch gemacht hat. Ob mit ihr wieder nur gespielt würde. Und es ging ihr mies.

„Aber Arne, warum hast du dich nicht einfach noch mal bei ihr gemeldet? Noch mal angerufen und nachgefragt?“

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Tja, die Antwort ist einfach: Ich wurde an meiner empfindlichsten Stelle getroffen: Einer, meiner emotionalen Verletzungen.

Ich habe (natürlich unbewusst) richtiggehend „erwartet“, dass sie mich nicht mehr mag und verlässt, sobald sie mich richtig kennenlernt, mit meinen Schwächen und Fehlern. Mein niedriges Selbstwertgefühl hat nur eine geringe Möglichkeit gesehen, dass mich noch jemand lieben kann, sobald er weiß, „wie ich wirklich bin“. Aufgrund dieser Erwartungshaltung hat schon der allerkleinste Beweis ausgereicht, um mir zu zeigen: „Sieht du? Du hattest mal wieder Recht!“ Und dadurch entstehen so verrückte Gedanken, wie du sie oben lesen kannst.

Die enorme Kraft emotionaler Wunden

Einsamkeit. Trauer. Angst. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Das Gefühl nicht schön, intelligent oder erfolgreich genug zu sein.

Seelische Wunden bringen dich aus dem Gleichgewicht, wenn jemand seine Finger hineinlegt.

Sie vernebeln deine Sinne, lenken dein Bewusstsein im Tunnelblick auf alle negativen Aspekte, blenden alle Gegenbeweise aus und setzen dein logisches Denken außer Kraft (während du dir aber „sicher“ bist, dass das alles logisch ist).

Sie beeinträchtigen dein Leben auf eine Art und Weise, wie es körperliche Probleme gar nicht können. Und ich weiß, dass ich mit solchen Reaktionen nicht alleine bin.

Also frage ich dich: Warum nehmen wir unsere körperlichen Symptome so viel wichtiger, als unsere seelischen?

Wo zeigen sich DEINE seelischen Wunden?

Wenn du zurückgewiesen wirst?

Wenn deine Arbeit kritisiert wird?

Wenn dir jemand etwas „unhöfliches“ sagt?

Wenn sich jemand nicht meldet, der dir wichtig ist?

Wenn du deine Ziele nicht erreichst?

Wenn du alleine bist, ohne jemanden mit dem du reden kannst? Ohne jemanden, der dich ablenkt und dir das Gefühl gibt, etwas wert zu sein?

Einsamkeit. Trauer. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Das Gefühl nicht schön, intelligent oder erfolgreich genug zu sein.

Für diese Gefühle gibt es keine heilenden Tabletten. Mit äußerer Medizin kannst du sie zwar kurzzeitig betäuben, aber niemals heilen. Sie werden immer wiederkommen, bis du dich ihnen widmest und versuchst herauszufinden, woher sie kommen.

Vielleicht schaltest du das nächste Mal nicht einfach nur den Computer an oder schaust auf dein Handy, wenn du dich unwohl und einsam fühlst. Vielleicht versuchst du nicht sofort, das Problem zu lösen oder nach Beweisen dafür zu suchen, dass es sich nicht lösen lässt.

Sondern du nimmst Zettel und Stift zur Hand und schreibst auf, was dir durch den Kopf geht. Wort für Wort. Lerne dich kennen! Renne nicht weiter vor deinen unangenehmen Gedanken und Gefühlen weg. Glaube nicht, dass du dich ständig gut fühlen musst. Erlaube den negativen Gedanken und Gefühlszuständen da zu sein, denn sie sind nicht ohne Grund da. Ihre Aufgabe ist es, dich zu deinen tieferen Verletzungen zu führen, damit du dich ihnen liebevoll widmen kannst.

Denn vielleicht klappt es jetzt gerade noch so. Vielleicht ist dein Geist gerade noch gesund genug, um dir das Leben nicht völlig zu versauen. Vielleicht ist aus deinen emotionalen Wunden noch keine Krankheit geworden.

Aber es ist dasselbe, wie bei körperlichen Wehwehchen. Je länger sie unbehandelt bleiben, desto mehr verfestigen sie sich. Sie werden chronisch und sind damit der Nährboden für viele weitere Folgekrankheiten.

Danach ist der Weg hin zur Heilung zwar derselbe, aber er dauert länger und ist wesentlich kraftraubender.

Also, was hält dich davon ab, dich der Gesundheit deines Geistes noch heute zu widmen?

Lässt du dich vielleicht von Vorurteilen und Angst leiten („Ich bin doch nicht geisteskrank.“, „Ist das nicht nur was für Geisteskranke und Hippies?“, „Wenn andere davon erfahren, denken sie ich wäre schwach und verrückt…“)?

Oder nimmst du dir vielleicht einfach keine Zeit dafür („Ich hab noch sooo viel zu tun“, „Ach, so wichtig ist das nicht“, „Das kann ich auch morgen noch machen“)?

Es wird Zeit, im Sinne deiner Gesundheit für Erfolge zu sorgen!

Nicht nur die Erfolge, die du siehst, sondern auch die, die du fühlst.

Alles Liebe,

Arne

PS: Auf die Art und Weise, wie man sich diesen emotionalen Wunden konkret widmet, bin ich in diesem Artikel nicht eingegangen. Doch dazu findest du hier auf dieser Seite schon eine Menge Möglichkeiten und in meinem Newsletter sind es noch ein paar mehr.

 

Foto: Fedor Stroganov (unter CC-Lizenz)

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