Quarter Life Crisis: Mitte 20 und gelähmt vom System?

Gastartikel von Benedikt Ahlfeld

Heute geht es um ein Problem, das allgegenwärtig ist und viele Menschen Mitte Zwanzig können davon ein Lied singen. Es geht um das Gefühl nicht zu wissen, was man mit sich und seinem Leben anfangen soll. Nicht, weil man keine Möglichkeiten hat. Ganz im Gegenteil: weil man alle Möglichkeiten hat! Es geht um die Quarterlife Crisis und wie man da wieder rauskommt.

Mit dem im Jahr 2001 veröffentlichten Bestseller „Die Sinnkrise der Mittzwanziger“ deckten zwei amerikanische Autorinnen ein Phänomen mit dem Namen „Quarterlife Crisis“ auf. Ähnlich wie bei der „Midlife Crisis“ handelt es sich bei der genannten Erscheinung um einen psychischen Zustand der Unsicherheit, welcher jedoch im Alter von 20 bis 30 Jahren auftritt. Über die Ursachen dieses Zustandes sind sich die Psychologen und Therapeuten
noch nicht einig. Viele von ihnen gehen jedoch davon aus, dass die hohen Erwartungen der Gesellschaft an die jungen Generationen enorm dazu beitragen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es aber ganz genau anders herum ist. Und zwar so: die meisten jungen Menschen heute richten enorm hohe Erwartungen an sich selbst!

Es ist ein Zeichen der Informationsgesellschaft. Weil wir so viele Möglichkeiten und Alternativen haben sind wir unfähig geworden, überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Und wir verharren da, wo wir sind. Aber die meisten von uns macht das nicht glücklich. Und dann beginnt die Suche…

Das ist der Grund, weshalb wir immer wieder unseren Job wechseln, die Kleidung, den Partner… wir suchen, aber wir wissen nicht wonach. Und darum suchen wir immer schneller und hoffen doch noch den richtigen Partner zu finden oder die Business- Strategie, die „wirklich“ funktioniert.

4 Merkmale an denen du erkennst, dass du in einer Quarterlife Crisis steckst

Der durch die „Quarterlife Crisis“ hervorgerufene Zustand der Unsicherheit ist als solcher relativ vage formuliert, weshalb es daher ohne das hierfür notwendige Werkzeug ziemlich schwierig ist, eine Selbstdiagnose durchzuführen. Mit den folgenden formulierten Merkmalen sollte es dir daher leichter fallen zu entscheiden, ob du von der „Quarterlife Crisis“ betroffen ist.

  1. Junge Erwachsene, die unter der „Quarterlife Crisis“ leiden, hegen oftmals den Wunsch etwas Verrücktes und Neues zu erleben, sind sich aber in ihrer genauen Entscheidungsfindung unsicher.
  2. Betroffene stehen unter einem enormen gesellschaftlichen Druck, ziehen ihre Eltern oder Freunde zu einem Vergleich heran und verfallen aufgrund essentieller Unterschied in eine geistige Ohnmacht.
  3. Weiterhin verspüren diese jungen Erwachsene eine gewisse Angst vor der Zukunft und stehen ihrer Jugendzeit daher immer nostalgischer gegenüber.
  4. Ein großes Indiz für eine „Quarterlife Crisis“ ist außerdem die Befürchtung, dass der derzeitige Lebensstil stark von der eigenen Vorstellung einer perfekten Lebensführung abweicht.

Oh mein Gott, bin ich jetzt krank?

Wenn du dich dabei ertappt hast, bei mehreren der oben genannten Punkte stumm zu nicken oder gar zu hyperventilieren… nun ja, dann ist das alles auch nur halb so schlimm!

Aber auch nicht unbedingt angenehm. Die Frage ist also: wie kannst du aus dem Kreislauf der Unsicherheit ausbrechen?

Zuerst einmal ist es wichtig, dass du deine Wünsche von den Forderungen der Gesellschaft klar abgrenzt, die gesellschaftlichen Normen hinterfragst und dir deine eigenen Vorstellungen verdeutlichst. In meinen NLP und Hypnose Ausbildungen beobachte ich immer wieder, wie Menschen ihr Leben lang dachten, sie würden selbstbestimmte Entscheidungen treffen nur um dann zu erkennen, dass sie von der sozialen Programmierung beeinflusst wurden. Erst sobald du deine „Ur-Motivation“ aufgedeckt hast, kannst du deine persönlichen Werte mithilfe radikaler Ehrlichkeit bestimmen und deine eigenen Lebensziele verfolgen. Hast du dies erst einmal verinnerlicht, steht dir einem erfüllten Leben nach eigenem Standard mit viel Glück und Erfolg nichts mehr im Wege.

Es gibt Menschen die dir, wenn du fragst

“Wer bist du?”

wie aus der Pistole geschossen eine Antwort geben können. Und vielleicht sind sie wirklich überzeugt davon, dass sie sich selbst und ihre eigene Identität sehr gut kennen. Aber in Wahrheit es kann sich immer nur um eine Momentaufnahme handeln.

Beispiel: wir werden geboren, wachsen als Kinder auf und eines Tages sind wir erwachsen geworden. Was uns von damals unterscheidet ist in erster Linie, dass wir gewisse Erfahrungen gemacht, daraus Werte, Glaubenssätze und Verhalten abgeleitet haben und das nun unter dem Begriff Identität subsumieren. Dafür muss uns aber klar sein, dass unsere heutige Identität nicht mehr viel mit damals zu tun hat und insofern auch nie “unsere Identität” war, sondern bloß eine von Außen stets anders beeinflusste Selbstwahrnehmung ist.

Wenn wir also glauben, wir wüssten, wer wir sind, dann handelt es sich um die
fundamentale erste Lüge unseres Daseins. Dies anzunehmen ist einerseits die Basis der radikalen Ehrlichkeit und hilft uns andererseits dabei, auch in schweren Zeiten unseren Humor nicht zu verlieren. Das bringt mich zum abschließenden Punkt:

Was du jetzt tun kannst

  • Erinnere dich, dass das Leben kein Wettrennen ist.
  • Besinne dich darauf, was dir wirklich wichtig ist: deine Ur-Motivation.
  • Setze Prioritäten. Was willst du? Warum willst du es? Wie bekommst du es? Womit fängst du an? Wann wirst du es haben / sein / tun?
  • Erfinde dich neu – du hast noch unglaublich viel Zeit! So richtig “erwachsen” bist du ja erst seit ein paar Jahren. Da hast du schon viel weitergebracht, oder? Und das geht jetzt so weiter. Versprochen. Wenn du 1987 geboren bist sind es noch ca. 53 Jahre (Du willst wissen, wann du laut der Statistik stirbst: hier klicken).
  • Erkenne, dass doch nicht alles möglich ist und Grenzen existieren. Das ist gut so! Stelle dir vor, du würdest sechs Tage durchgehend wach bleiben. Das tut keinem Körper einfach nicht gut. Genau so ist es auch mit deinem Geist. Er braucht manchmal einfach auch etwas Ruhe.
  • Übernimm Verantwortung für dein Leben, denn: „Alles ist eine Entscheidung. Auch die Entscheidung, dich nicht Entscheiden zu wollen.“
  • Mach dich locker! Vor allem wenn es um die Erwartungen an dich selbst geht. Das bedeutet aber nicht, dass du deinen Standard senken sollst. Im Gegenteil:
  • Hebe deinen Standard: Das Leben ist zu kurz für das Durchschnittliche!

Und genau dieser Abschlusssatz soll auch die Botschaft sein für diesen Artikel: starte ein Leben nach eigenem Standard, denn du hast niemandem Rechenschaft abzulegen wenn es darum geht GLÜCKLICH zu sein.

Alles Liebe,
Benedikt

 

Benedikt AhlfeldÜber Benedikt Ahlfeld:

Benedikt Ahlfeld ist Trainer, Autor und Entscheidungsmacher. Er zeigt, wie man selbstbestimmte Entscheidungen trifft und damit seine volle innere Kraft nutzt. Besuche ihn auf www.BenediktAhlfeld.com und finde heraus, wie du dein Leben nach eigenem Standard gestalten kannst.

 

Beitragsbild: Wewon31 (unter CC)

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2015-12-28T15:16:19+00:00

About the Author:

Hi, ich bin Arne. Ich schreibe hier, weil ich etwas geben kann, was zurzeit zur Genüge gebraucht wird. Ich weiß, wie es sich anfühlt, einfach nur planlos und unmotiviert zu „funktionieren“, anstatt schon am frühen Morgen voller Energie aufzuwachen und das eigene Leben auf das Vollste zu genießen. Ich habe eine lange und anstrengende Reise hinter mir und will dir in diesem Blog zeigen, wie du deine eigene Reise ab heute etwas beschleunigen kannst.
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4 Kommentare

  1. Eliska hilft 13. Oktober 2017 um 18:33 Uhr - Antworten

    Danke für das Posting zu diesem Thema. Jetzt
    hab ich auch mal versucht meinen Kommentar zu posten. Werde das, wenn ichs hinkrieg auf Facebook
    teilen. Besten Dank nochmal für diesen Artikel!

  2. Veronika 30. April 2015 um 14:55 Uhr - Antworten

    Ein toller Artikel, welcher den Zahn der Zeit trifft!

    Mich erinnert die aktuelle Situation ein bisschen an die zahlreichen Marketing-Experimente, die bestätigt haben: je größer die verfügbare Auswahl, desto seltener folgt eine unmittelbare Aktion (in diesem konkreten Beispiel der Kauf). Das trifft auch im Kontext der Quarter Life Crisis zu – man kann sehr gut beobachten, dass viele Menschen in ihren Zwanzigern von generellem „Angebot“ an Möglichkeiten überwältigt, ja sogar paralysiert, sind.

    So wie Ben schreibt – wir suchen, aber wir wissen nicht wonach. Für mich ist genau das der tragende Gedanke und gleichzeitig auch die Wurzel des Problems: die ewige Suche. Diese ist, meiner Meinung nach, in der mittlerweile chronisch gewordenen Wechselhaftigkeit begründet. Wir wechseln viel und oft – unsere Jobs, materielle Gegenstände, Partner, Orte… Hinzu kommt das geistige Nomadentum und das ständige Recycling von Lebensträumen, Idealen und Zielen. Wir wechseln, weil wir Angst haben, etwas zu verpassen. Wir wechseln, weil uns der Halt und die Klarheit fehlt.

    Ich habe irgendwann an mir selber gemerkt (bin jetzt Ende zwanzig), dass ich ebenfalls dem Zeitgeist, so wie Ben es hier beschreibt, zum Opfer gefallen bin :) Und mir ist dabei Folgendes klar geworden: das Einzige, wonach es sich wirklich lohnt zu suchen, ist man selbst :) Anders gesagt: die fruchtbarste und befriedigendste Suche wird diejenige sein, welche im Inneren erfolgt. Egal, wie man es jetzt nennen will – die Ur-Motivation, das wahre Ich, …

    Dafür muss man sich vielleicht ein wenig Zeit nehmen. In einem Meer an bunten Reizen, welche die Außenwelt heutzutage zu bieten hat, muss man halt ein bisschen tiefer graben… Aber es lohnt sich! Ich persönlich habe mich hierfür eine Zeitlang von dem ständigen Bombardement an „Lebensangeboten“ zurückgezogen. Ich habe aufgehört, mir die Frage zu stellen: „Was könnte ich machen?“ und mir dafür die Inspiration von Außen zu holen. Stattdessen habe ich mich gefragt „WER bin ich und was WILL ich?“ – ganz unabhängig davon, was da draußen gerade passiert. Auf die in der Außenwelt verfügbaren Angebote in diesem Prozess komplett zu pfeiffen, hat sich für mich persönlich als eine sehr gute Entscheidung erwiesen.

    Die gute Nachricht ist: wenn man das geklärt hat, geschieht der Rest von allein. Man hat dann ein wenig das Gefühl, als würde sich das Leben anpassen :) Frei nach dem Motto: wie innen – so Außen. Erst die innere Klarheit darüber, wer man ist, was man will und warum, verleiht uns Orientierung und Halt in diesem Dschungel an Möglichkeiten, Lebensentwürfen, Erwartungshaltungen…. Auf einmal fällt es nicht mehr schwer, Entscheidungen zu treffen und diese auch umzusetzen, ohne dabei von (Selbst-)Zweifeln, Angst, Verwirrung u.ä. abgelenkt zu werden.

    Krisen kann und wird es trotzdem immer wieder geben. Wenn man aber den inneren Halt gefunden hat, werden Krisen wieder in ihrer ursprünglichen (schlicht neutralen) Bedeutung als „Wendungen“ erlebbar.

    • Arne 30. April 2015 um 16:44 Uhr - Antworten

      „…das Einzige, wonach es sich wirklich lohnt zu suchen, ist man selbst.“

      Besser kann man es kaum formulieren ;-)

      Ja, es ist nicht immer einfach, bei der Suche nach dem „Ich“ einen Anfang zu finden, bzw. die Suche dann auch durchzuhalten, ohne sich von den Rückschlägen entmutigen zu lassen. Aber wenn man es dann doch mal für eine Weile durchhält, kann man wirklich eine grundlegende Veränderung im eigenen Leben spüren, selbst wenn sich das Leben im AUSSEN nicht wirklich verändert.

      lg, Arne

    • Benedikt Ahlfeld 6. Mai 2015 um 15:49 Uhr - Antworten

      Hi Viktoria,

      Arne hat es schon gut getroffen. Darum noch kurz ein persönlicher Input von meiner Seite: „wie Innen – so Außen“ das ist eines meiner wichtigsten Lebensmottos :)

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